Gedenkkonzert Urs Brügger
11. November 2017
 

Pavillon Konzerte

Lengnau, 21. April 2017

Hommage an Urs Brügger (Ikarus-Fotos)

Matthias Müller an Urs Brügger

Urs Brügger my first important clarinet teacher, passed away. To early and with full energy and love for life and music. 
His joy, happiness and kindness will live on in our feelings, thoughts and acting. Here my obituary in German.


Lieber Urs


Deine Klarinette ist verstummt. 
Ich ergänze, dein Lachen hat uns verlassen.

Beinahe 40 Jahren waren wir klarinettistisch und freundschaftlich verbunden. Als junger ambitionierter Klarinettist kam ich mit zwölf Jahren in den Unterricht bei Dir an der Musikschule Leimental. Du warst der richtige Lehrer zur richtigen Zeit. Du hast mich gelehrt, was Musik ist und Deine Art versprühte die Aura des Künstlertums. Wenn Du auch manchmal etwas verspätet zum Unterricht kamst – so what! Endlich ein Lehrer, der es nicht so pingelig nahm mit oberflächlicher Disziplin. Dafür ging es Dir um die Sache, um die Musik. Obwohl erst 12, behandeltest Du mich wie einen erwachsenen Studenten. Du warst immer inspiriert und voller Elan für die Musik.

Damals lachten wir nicht oft – ich war wahrscheinlich ein zu schüchterner Schüler. In den letzten Jahren haben wir aber herzhaft über diese Zeit gelacht. Zum Beispiel darüber, dass ich manchmal direkt ins Kaffee ging, um Dich zu holen.

Das einprägendste Ereignis hatte aber nicht mit Musik direkt, sondern mit Leben zu tun: Du ludest uns Schüler einmal zu einem Pizzaessen bei Dir ein. Damals gab es zum Glück noch keine Pizzakuriers! Schon die Treppe zu Deinem Haus war ein Ereignis: Einige Tritte waren herausgebrochen und dann der Garten: Eine Wildnis! Dinge, die einem noch kindlichen Jugendlichen halt auffallen. Dieses Imperfekte fasznierte. Dann die reichhaltigen Pizzas, die wir in den Ofen (in meiner Erinnerung war es ein richtiger Holzofen) schoben! Wir assen wie die Wilden und Du machtest immer noch mehr dick beladene Kuchen. Es war ein Abend, der mich ein neues anderes Leben riechen liess – ein Leben voller Abenteuer, Geheimnisse und offen gelebter Lebensfreude.

Es war ein unvergesslicher einmaliger Abend, an dem wir herzhaft lachten.

Als ich 15 war, tatest Du etwas, was wenige Lehrer tun. Du meintest, ich solle zu einem anderen Lehrer wechseln. Ich spürte, dass du das Beste für mich wolltest. Es ging Dir nicht darum, mit mir Erfolge zu feiern, das war kein Thema für Dich. Du wolltest, dass ich bei Hans Rudolf Stalder Unterricht nehme. Es sollte noch einige Jahre dauern bis ich das Studium bei ihm aufnahm. Heute verstehe ich sehr gut, warum Du das wolltest. Stalder wurde neben Dir zu meinem wichtigsten klarinettistischen Lehrer.

Zwischen uns bahnte sich nun eine neue Phase an. Wir wurden gute Freunde! Du bist einer meiner Freunde, mit denen ich am meisten und heftigsten gelacht habe. Stundenlang haben wir telefoniert. Zwischen Fachsimpelei über Klarinetten und Musik machten wir Witze und taten etwas, was mit wenigen so gut ging, wie mit Dir:

Wir lachten über uns!

Ich bewunderte, wie Du in der ganzen Welt umher gereist bist und Konzerttourneen unternahmst. Unermüdlich war Deine musikalische Energie und Dein Unternehmertum. Es verhalf Dir bis am Schluss, ein glücklicher und positiver Mensch zu sein.

Ebenso originell wie einzigartig war Dein Vorhaben, einen Pavillon der expo zu kaufen und beim Gymnasium Oberwil in idyllischer Lage hinzustellen. Du schufst einen Ort, der Dich nicht besser hätte verkörpern können. Eine Oase für die Musik, ein Treffpunkt von Musikliebhabern - einen Ort des Austausches von Kunst und Geselligkeit. Ganz wichtig war auch die Pflege des leiblichen Wohls mit Köstlichkeiten und Wein. Es ging um Klarinette und Musik, aber du zieltest darüber hinaus: Es ging ums ganze Leben.

Die Stimmung war stets heiter. Wenn Du auftauchtest wurde immer gelacht.

Du hast der Konzertreihe den Titel Ikarus gegeben. Ich habe Dich nie gefragt, warum. Er passt zu Dir. Du hast Deinem Leben Flügel verleiht, bist mutig und unkonventionell vorgegangen und hast andere damit inspiriert. Die vielen Klarinetten, die Dich umgaben, waren Dir sehr wichtig. Es ging Dir aber um mehr: Sie waren nur Deine Flügel, um dem Leben das abzugewinnen, was das Leben lebenswert macht.


Dein Lachen ist nicht verstummt, es lebt in uns weiter.
Matthias

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